Anton Casimir Dilger (*13. Februar 1884 in Front Royal, Virginia, USA; †17. Oktober 1918 in Madrid, Spanien) war ein deutsch‑amerikanischer Arzt, dessen Handeln während des Ersten Weltkriegs zu einem der frühesten dokumentierten Fälle von biologischer Kriegsführung führte. Seine Geschichte ist von wissenschaftlicher Expertise, Spionage und ethischen Kontroversen geprägt.
Frühe Jahre und Ausbildung
Dilger wurde in den Vereinigten Staaten als Sohn eines deutschen Einwanderers geboren. Schon in jungen Jahren zog er nach Deutschland, wo er seine Schul- und medizinische Ausbildung absolvierte. Er studierte Medizin in Heidelberg und München und spezialisierte sich auf Bakteriologie, ein damals noch neues Gebiet der Wissenschaft. Sein transatlantischer Hintergrund machte ihn sowohl in den USA als auch in Deutschland beweglich und parteiisch gegenüber dem Kaiserreich.
Biologische Sabotage im Ersten Weltkrieg
Als der Erste Weltkrieg tobte, rekrutierte der deutsche Geheimdienst Dilger für ein geheimes Sabotageprogramm. 1915 reiste er in die neutralen Vereinigten Staaten zurück – mit Kulturen der Krankheitserreger Anthrax und Rotz, die als biologische Waffen genutzt werden sollten.
In Washington, D.C. richtete Dilger zusammen mit seinem Bruder Carl ein kleines Labor ein. Dort kultivierten sie gefährliche Bakterien und gaben sie an deutsche Agenten weiter. Diese sollten die Erreger nutzen, um Pferde und Maultiere zu infizieren, die von den USA zu den Alliierten transportiert wurden. Da Pferde im Ersten Weltkrieg für Transport und Artillerie wichtig waren, sollte ihre dezimierte Zahl den gegnerischen Nachschub schwächen.
In verschiedenen Häfen verbreiteten eingeschleuste Arbeiter die Kulturen – oft indem sie Tiere mit Nadeln injizierten oder Erreger in Futter und Wasser gossen. Die Auswirkungen waren beträchtlich: Tausende Tiere starben an den Infektionen, und dieser Einsatz gilt als einer der frühesten dokumentierten Fälle moderner biologischer Kriegsführung.
Entdeckung, Flucht und Tod
Obwohl Dilger bald unter Verdacht stand, als Agent Deutschlands zu arbeiten, wurde er nie offiziell verhaftet. Nach wachsendem Druck floh er 1916 zunächst nach Mexiko und später nach Spanien. Dort starb er im Oktober 1918 an der spanischen Grippe, einer Pandemie, die weltweit Millionen Menschenleben forderte.
Vermächtnis und historische Bedeutung
Die Aktivitäten von Anton Dilger werfen ein beunruhigendes Licht auf die Nutzung wissenschaftlicher Forschung für zerstörerische Zwecke. Seine Geschichte machte deutlich, wie biologische Agentien im Krieg instrumentalisiert werden können – lange bevor internationale Abkommen biologische Waffen verboten. Die nachfolgenden Genfer Protokolle und spätere Konventionen zur biologischen Abrüstung zeigen, wie tief die Weltgemeinschaft aus solchen frühen Einsätzen gelernt hat.
Dilgers Leben bleibt ein Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Exzellenz gleichzeitig große Fortschritte und große Gefahren mit sich bringen kann, wenn sie ohne ethische und moralische Schranken verwendet wird.

